Die steile Felswand des Risco de Famara erhebt sich bis zu 600 Meter in den Himmel.

Ein weiterer seltener Endemit, Schultzes Goldstern.

Der prächtig blühende Echium ist ein weiterer Endemit. Die einzelnen blau-violetten Blüten des Lanzarote Natternkopfs blühen eine nach der anderen, von unten nach oben auf.

Die Buckelschrecke ist auf Lanzarote in küstennahen Zonen verbreitet und passt sich farblich dem jeweiligen Untergrund an.

Das an seinem auffällig langen Blütensporn erkennbare Tännelkraut wächst nahe der Küste, wo der Wind noch Meersalz heranweht.

Dieser unscheinbare Thymian kommt nur auf Lanzarote vor.

Der seltene Strandflieder fällt durch seine prächtigen purpurnen Blüten auf.

Auch der Feuerfalter besucht die Blütenvielfalt am Risco. Trotz seiner leuchtend orangefarbenen Färbung gehört er zur Familie der Bläulinge.

 

 

 

 

 

Von Blüte zu Blüte:

Frühling am

Risco de Famara

 

von Ulrike Strecker

 und Horst Wilkens

 

 

 

Fährt man von der hoch gelegenen früheren Hauptstadt Teguise durch die sich zum Meer allmählich absenkende sandige Ebene von El Jable nordwärts, so wächst vor dem Auge des Besuchers allmählich die Felswand des Risco de Famara zu immer imposanterer Größe aus dem Atlantik empor. Zusammen mit den vor gelagerten Inseln La Graciosa und Montana Clara, dem weißen Strand der Bucht von Famara und dem grünblauen Meer findet sich hier das wohl eindrucksvollste Panorama Lanzarotes. Der Risco ist mit über 600m die höchste Erhebung und bildet gleichzeitig den ältesten Teil der Insel. Er begann durch Vulkantätigkeit vor etwa 16 Millionen Jahren zu entstehen. Es gibt wohl kaum eine andere Region auf Lanzarote, in der die Naturgewalten mit derart ungebremster Kraft wirken. Wo der Atlantik direkt an die Felswand stößt, nagen die Wellen ungestüm und zerkleinern die herabstürzenden Steinbrocken allmählich zu feinstem Sand. Von der See kommender Wind genauso wie mit Urgewalt aus der Höhe herabstürzende Fallwinde zerren an den in der Felswand und im Felsgeröll wachsenden Pflanzen. Die salzige Gischt des aufgepeitschten Meeres wird hoch hinauf geblasen. Starkregen unterspülen das Gestein, reißen es in die Tiefe und tragen stetig zur Erosion bei, was durch die gewaltigen Geröllhalden am Fuße der Wand deutlich wird. Vor allem aber findet sich hier der einzige Bereich der Insel, dessen Höhe gerade noch ausreicht, den Passatwinden Feuchtigkeit zu entlocken. Hier kann Süßwasser in den Untergrund treten und an einigen Stellen des Risco de Famara wieder zu Tage sickern.

Es gibt wohl kaum eine andere Region auf Lanzarote, in der die Naturgewalten mit derart ungebremster Kraft wirken. Wo der Atlantik direkt an die Felswand stößt, nagen die Wellen ungestüm und zerkleinern die herabstürzenden Steinbrocken allmählich zu feinstem Sand. Von der See kommender Wind genauso wie mit Urgewalt aus der Höhe herabstürzende Fallwinde zerren an den in der Felswand und im Felsgeröll wachsenden Pflanzen. Die salzige Gischt des aufgepeitschten Meeres wird hoch hinauf geblasen. Starkregen unterspülen das Gestein, reißen es in die Tiefe und tragen stetig zur Erosion bei, was durch die gewaltigen Geröllhalden am Fuße der Wand deutlich wird. Vor allem aber findet sich hier der einzige Bereich der Insel, dessen Höhe gerade noch ausreicht, den Passatwinden Feuchtigkeit zu entlocken. Hier kann Süßwasser in den Untergrund treten und an einigen Stellen des Risco de Famara wieder zu Tage sickern.

Wegen dieser auf Lanzarote nur hier herrschenden Lebensbedingungen hat eine Vielzahl botanischer Besonderheiten hier ein Rückzugsgebiet gefunden. Sie sind Überbleibsel aus einer früheren geologischen Zeit, in der die Insel wegen der noch nicht so weit fortgeschrittenen Erosion höher war und daher mehr Niederschläge fielen. Viele dieser Arten kommen nur auf Lanzarote vor. Sehr häufig finden wir daher in den wissenschaftlichen Artnamen die Hinzufügung „famarae“ oder „lanzarotensis“. Es war der deutsche Botaniker Günther Kunkel, der bereits 1982 den Wert dieses Gebietes beschrieb und es als eine ökologische Insel bezeichnete. Wir verdanken die Erhaltung dieser Arten zudem der bis heute bestehenden schwierigen Zugänglichkeit dieser steilen Wand und ihrer Geröllhalden, die die menschliche Nutzung immer schon stark begrenzte oder unmöglich machte. Der Risco de Famara steht heute als Teil des Naturparkes „Archipiélago Chinijo“ unter Naturschutz. Störende und die Natur beeinträchtigende Aktionen wie Blumen pflücken, Pflanzen ausgraben oder die Hunde von der Leine lassen, ist daher untersagt.

Im Frühjahr oder bei ausreichendem Regen auch schon ab November entfaltet die Mehrzahl der hier wachsenden Pflanzen ihre größte Pracht. Man beginnt eine Wanderung am besten oberhalb der am Fuße des Risco de Famara errichteten Bungalowsiedlung (Urbanización Famara). Der in mittlerer Höhe der Felswand und ihrer Geröllhalden führende Weg stellte ursprünglich die Verbindung zu den an der Nordspitze gelegenen Salinas del Rio her. Seit dem Ende ihres Betriebs unterliegt auch er dem Verfall, seine Benutzung ist jedoch weitestgehend unproblematisch bis zu den Bereichen, unterhalb derer das Meer direkt an die Felswand des Risco de Famara brandet.

An seinem Beginn kreuzt der Weg zunächst eine im Barranco de la Poceta von den Höhen des Risco de Famara herangeführte Geröllhalde. Sie ist gelb getupft vom Kanarischen Flohkraut (Pulicaria canariensis), einem Korbblütler, der nur am Risco de Famara und auf Fuerteventura vorkommt. Gleichfalls vom Aussterben bedroht ist der unscheinbare weiß blühende Korbblütler Atractylis arbuscula, der lediglich noch auf Gran Canaria, jedoch als eigene Unterart zu finden ist.

Allmählich ansteigend geht es an den Casas de Famara vorbei. Sie befinden sich an einer uralten Siedlungsstelle, die an einem der zuvor erwähnten ursprünglichen Süßwasseraustritte in der Famara-Wand liegt. Ein aus Steinen errichteter benachbart liegender ringförmiger Koral deutet auf die ursprüngliche Nutzung des Gebietes zur Ziegenbeweidung hin, die noch bis in die 70ger Jahre des letzten Jahrhunderts erfolgte. Hoch über dem Meer schweift der Blick weit über die in der Tiefe liegende karge Vegetation des Küstenstreifens. In der steil zum Himmel aufragenden Felswand sind die mächtigen Basaltschichten bestehend aus sechseckigen Felssäulen sowie dazwischen liegende rot gebrannte weichere und daher ausgehöhlte Tuffhorizonte an ihren unterschiedlichen Farben zu erkennen.

 

 Die Casas de Famara liegen wie eine kleine Oase am Fuße des Risco, an der die Wanderung vorbeigeht.

Alle hier wachsenden Pflanzen haben sich an Wasserarmut angepasst, die vor allem durch den jährlich sehr geringen Niederschlag, aber auch durch den nahezu stetig blasenden Wind, das darin enthaltene Salz und vor allem während des Sommers entsteht. Die Blätter können deswegen silbrig durch dichte vor Verdunstung schützende Behaarung erscheinen oder durch Speichergewebe verdickt sein. Der auf allen Kanaren häufige Federbusch (Kleinia neriifolia) blüht im Sommer und fällt durch außerordentlich dicke gleichfalls der Wasserspeicherung dienende Triebe und Verzweigungen auf. Vogelfedern gleich werden die Samen tragenden Fallschirme dieses Korbblütlers vom Wind fort getragen. Wie dieser große Strauch prägen zwei Wolfsmilchgewächse, die sogenannten Tabaibas, am Risco de Famara die Landschaft. Eine davon ist die Balsamwolfsmilch (Euphorbia balsamifera).

 

Man durchwandert ein botanisches Eldorado, dessen Pflanzen vielen Familien angehören: Korb-, Lippen-, Schmetterlings-, Dolden- und Kreuzblütler sowie Wolfsmilch-, Hundsgift-, Raublatt-, Dickblatt-, Sommerwurz- und Bleiwurzgewächse. In manchen Jahren sind bereits im November die gewaltigen Geröllhalden unterhalb der steilen Felswand mit gelb blühenden Matten der Kanarenkresse überzogen. Sie stehen im Wettkampf mit dem himmelblauen Aspekt des allerorten zwischen den Felsbrocken wachsenden eher etwas unscheinbaren Blüten des Fiederblättrigen Lavendels. Am Wegesrand drücken sich weiße Polster von Schultzes Goldstern, Asteriscus schultzii, dicht an den Boden. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass die etwa 2cm langen Zungenblüten dieses Korbblütlers an den Blattenden fein gesägt sind. Diese Art ist sehr selten und gibt es nur am Risco de Famara und auf Fuerteventura.

Im nackten Felsgeröll wurzelt die Famara-Reichhardie mit ihren leuchtend gelben Zungenblüten.

Vereinzelt steht weithin sichtbar das bis 2 Meter hoch wachsende kräftige Lanzarote-Rutenkraut, Ferula lanzerottensis. Seine durch Zerreiben nach Fenchel duftenden Blätter sind fein gefiedert. Die mächtigen gelben Blütendolden werden vor allem von Fliegen aufgesucht. Gleichfalls durch hohen Wuchs fällt ein anderer gelb blühender mehrjähriger Korbblütler mit kräftigem Stämmchen auf, die Fiederblättrige Gänsedistel. Ihre großen Blüten bestehen aus vielen Zungenblüten. Gänsedisteln haben auf den Kanaren viele Arten entwickelt, von denen es nur eine, die Fiederblättrige Gänsedistel, auf Lanzarote und Fuerteventura gibt. Auch die Strauchmargeriten haben auf den Kanarischen Inseln neue Arten hervor gebracht. Eine einzige davon, die Kanarische Strauchmargerite (Argyranthemum maderense), besitzt große mattgelbe Korbblüten. Sie ist ein ausdauernder niedriger Strauch und findet in Europa vielfach als Topf- und Zierpflanze Verwendung. Der spanische Name „margarita de Famara“ zeigt jedoch, dass diese Art ursprünglich nur auf Lanzarote, neben Famara auch im Tal von Haria, vorkommt. Neben Gänsedisteln und Strauchmargeriten haben gleichfalls die Strandflieder eine Artaufspaltung vollzogen. Im Risco de Famara wachsen zwei davon; der Flaumhaarige sowie Bourgeaus Strandflieder (L. puberulum und L. bourgeaui). Sie haben besonders schöne Blüten, die mit einem weißen und einem blauen Kranz eingefasst sind. Unerlaubterweise werden sie häufig als Trockenblumen gesammelt. Ein weiterer Endemit ist der Lanzarote-Natternkopf. Seine blau-violetten Blüten vermitteln durch die weit heraus hängenden Staubgefäße den Eindruck eines züngelnden Eidechsenkopfes. Er steht in enger verwandtschaftlicher Beziehung zu weiteren spektakulären Arten auf den anderen Kanaren. Die wohl beeindruckenste und bekannteste davon ist die mit meterhohen Blütenständen ausgestattete rote Tajinaste, die in den Canadas Teneriffas wächst.

Wie schon am Artnamen erkenntlich, kommt die Famara-Reichhardie (Reichhardia famarae) auf Lanzarote nur am Risco de Famara vor, wurde jedoch später zusätzlich im Süden von Fuerteventura entdeckt. Sie ist ein niedrig wüchsiger Korbblütler mit ledrigen leicht stacheligen Blättern. Die gelben Blüten sind kurz gestielt und an den steinigen Wänden weithin als leuchtend gelbe Punkte erkennbar. Äußerst selten ist der in Felsspalten wurzelnde und dem nackten Fels aufliegende Oregano ähnliche Thymian (Thymus origanoides) zu finden, der überhaupt nur im Gebiet des Risco de Famara und einiger seiner östlich abfließenden Barrancos gedeiht. Er trägt winzige hellviolette Lippenblüten und nur kleine Blättchen, verrät sich aber durch seinen charakteristischen Thymianduft schon, bevor man die Pflanze selbst entdeckt.

Die Zahl der hier lebenden Insekten ist nicht groß. Jedoch fällt ein hektisch umher fliegender kleiner Tagfalter aus der Familie der Weißlinge, der Grüngelbling Euchloe charlonia, auf. Er ist grünlich gelb gefärbt mit schwarzen Flügelspitzen und lebt in Halbwüsten und an steinigen trockenen Hängen wie dem Risco de Famara. Sein geographisches Verbreitungsgebiet reicht von Lanzarote über Nordafrika bis Saudi-Arabien. Ihm bietet die Blütenpracht reichlich Nahrung. Die Raupe frisst auf Lanzarote an der Kristallresede und auch am Tännelkraut, einem an einem langen Blütensporn erkennbaren Rachenblütler. Ein weiteres farblich außerordentlich gut an den Untergrund angepasstes Insekt schwirrt gelegentlich bei Annäherung vom Weg auf. Es ist die Buckelschrecke, die den Namen gebenden Buckel auf ihrem Halsschild trägt.

Der Rückweg kann über einen zur Küste absteigenden Pfad erfolgen. Dieser beginnt in Höhe eines kleinen bewohnten Hauses, das am Ausgang eines Stollens liegt, der zur Gewinnung von Süßwasser in den Risco de Famara getrieben wurde. Der Weg erreicht die Küste an einem geologisch sehr interessanten Abschnitt. Dort finden sich fossile Dünen, die von der Brandung unter einer dicken Geröllhaldenschicht frei gespült werden. In die Sande sind in Vielzahl die Brutkammern ausgestorbener Pelzbienen und Schneckenhäuser eingeschlossen. Diese Dünen entstanden vermutlich während der Eiszeit, als der Meeresspiegel zeitweise sehr viel tiefer lag.

 

Die Zahl der hier lebenden Insekten ist nicht groß. Jedoch fällt ein hektisch umher fliegender kleiner Tagfalter aus der Familie der Weißlinge, der Grüngelbling Euchloe charlonia, auf. Er ist grünlich gelb gefärbt mit schwarzen Flügelspitzen und lebt in Halbwüsten und an steinigen trockenen Hängen wie dem Risco de Famara. Sein geographisches Verbreitungsgebiet reicht von Lanzarote über Nordafrika bis Saudi-Arabien. Ihm bietet die Blütenpracht reichlich Nahrung. Die Raupe frisst auf Lanzarote an der Kristallresede und auch am Tännelkraut, einem an einem langen Blütensporn erkennbaren Rachenblütler. Ein weiteres farblich außerordentlich gut an den Untergrund angepasstes Insekt schwirrt gelegentlich bei Annäherung vom Weg auf. Es ist die Buckelschrecke, die den Namen gebenden Buckel auf ihrem Halsschild trägt.

Weithin sichtbar sind die großen mattgelben Blüten der

Strauchmargerite.

 

Der Rückweg kann über einen zur Küste absteigenden Pfad erfolgen. Dieser beginnt in Höhe eines kleinen bewohnten Hauses, das am Ausgang eines Stollens liegt, der zur Gewinnung von Süßwasser in den Risco de Famara getrieben wurde. Der Weg erreicht die Küste an einem geologisch sehr interessanten Abschnitt. Dort finden sich fossile Dünen, die von der Brandung unter einer dicken Geröllhaldenschicht frei gespült werden. In die Sande sind in Vielzahl die Brutkammern ausgestorbener Pelzbienen und Schneckenhäuser eingeschlossen. Diese Dünen entstanden vermutlich während der Eiszeit, als der Meeresspiegel zeitweise sehr viel tiefer lag.

Das Lanzarote-Rutenkraut wächst am Risco de Famara sogar an den höchsten Stellen.